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Ein Einblick in Luthers Übersetzungswerkstatt in sieben Punkten. Teil 1.

Ein Einblick in Luthers Übersetzungswerkstatt in sieben Punkten. Teil 1.

Ich kann dolmetschen, das können sie nicht.

Ich kann beten, das können sie nicht.

 

Luther als Übersetzer

LUTHER - ein Kaleidoskop

 

 

Ein Einblick in Luthers Übersetzungswerkstatt in sieben Punkten. Teil 1.

Wir sind im Lutherjahr, und alle Medien berichten von dem Reformator, Thesenanschläger, Tintenfasswerfer, Mitverantwortlichen für den Bauernkrieg, 30-jährigen Krieg und deutschen Föderalismus, über den Verfechter eines modernen Pluralismus, den Judenhasser, Frauenbeleidiger, Frauenrechtler, Sinnesmenschen, Mönch, Büßer und Begründer der protestantischen Arbeitsethik: Luther.

Kein Wunder, dass in diesem Kaleidoskop die Facette, in der sich unser Berufsstand widerspiegelt, manchmal überlagert wird: Luther war Übersetzer, und zwar einer der ersten, deren Werk in großem Maßstab veröffentlicht wurde. Deshalb hier ein kleiner Einblick in Luthers Übersetzungswerkstatt in 7 (nein, nicht 95) Punkten:

 

 

1) Luther nahm sich Zeit für seine Übersetzung. Und zwar von 1521 bis 1534. Natürlich hatte er auch eine Aufgabe wahrhaft biblischen Ausmaßes zu bewältigen. Und dennoch, er hätte sich unter Zeitdruck setzen lassen können. Denn parallel zu ihm arbeitete in Zürich Zwingli an einer deutschen Übersetzung der Bibel. Und er wurde 1531 fertig, drei Jahre vor Luther. In ihrer Sprachgewalt und sprachnormativen Kraft war Luthers Übersetzung der von Zwingli jedoch weit voraus, und das verhalf der Lutherbibel zum Durchbruch.

Schon damals galt also: Besser eine etwas längere Lieferfrist und dafür ein Ergebnis, das Bestand hat.

Quelle: Ein Interview mit dem Schriftsteller Bruno Preisendörfer in den Nürnberger Nachrichten. In seinem Buch Als unser Deutsch erfunden wurde erklärt er, warum die heutige Sprache in der Zeit Luthers ihre Wurzeln hat.

 

 

Comments ( 4 )

  • Karin Sander

    Besser eine etwas längere Lieferfrist und dafür ein Ergebnis, das Bestand hat. Sage ich auch immer!

    • Ja, es hat sich wirklich nicht viel geändert seit damals, könnte man meinen ;-)!

  • Es zeigt sich aber auch wie durch Übersetzungen die Bedeutung eines Textes verfremdet werden kann. So war es ja kein Apfelbaum, sondern der Baum der guten und schlechten Taten (heute würde man sagen: Entscheidungsbaum!), von dem gegessen wurde.

    Oder auch die Sache mit der Seite, die zur Rippe wurde. Damit waren Frauen auf einmal weniger Wert als Männer.

    Das ist passiert von der Übersetzung vom lateinischen ins deutsche. Das lateinische wurde aber aus dem hebräischen übersetzt, das keine Vokale schreibt. Vermutlich war das Original noch wieder anders.

    • Hallo Thomas, danke für den Kommentar! Ja, das stimmmt. Eine Übersetzung ist ein Stück weit immer auch eine Interpretation. Und wenn irgendwann die Übersetzung der Übersetzung der Übersetzung übersetzt wird, kann es sein, dass sich die Abweichungen verstärken. Stichwort Flüsterpost. Das Alte Testament ist ja aus dem Hebräischen ins Griechische, dann aus dem Griechischen ins Lateinische und dann aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt worden. Deshalb wollte Luther wieder zurück zu den Wurzeln und übersetzte aus dem Hebräischen, was damals revolutionär war. Dennoch war auch er vor der Versuchung der Interpretation nicht gefeit. Ich denke, bei religiösen Texten ist diese naturgemäß besonders stark.

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